Alpentiere in Gefahr
Beschreibung
Ausgerottet oder gerettet? Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war in den Alpen eine Reihe von Tierarten ausgerottet oder äußerst selten. Tiere der Alpen, Leben oberhalb der Waldgrenze
Schlagworte
Naturkundemuseum Museum für Naturkunde Berlin Alpen Steinbock Braunbär Waldrapp Bartgeier Murmeltier Tannenhäher Alpendohle Gemse
Standort
Museum für Naturkunde Berlin
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Alpentiere in Gefahr Ausgerottet oder gerettet? Gemse und Murmeltier gaben früher als wandelnde Apotheken' wurden tei jedem Körperteil zugeschrieben. Jäger und Wilddiebe dezimierten die Bestände rücksichtslos. Veränderung der Vichwln^fWi: DiegraOcn fleisch Und Aasfrester rtWr. Wolf und die Geier-Arten) lebten früher Uberwiegend von kranken oder abgesjunsen Schafen oder anderem verendeten Vieh. Seitdem durch mehr Sorgfalt und moderne HaltungtrrwhodeD weniger Vieh auf den Weiden stirbt, fehlt den Aasnutzem die Nahrung. Heute gibt es strengen Schutz für die meisten Alperwere. Einige PIanzrnfresscr konnten «ich allein wieder vermehren (Gemse. Murmeltier). andere wurden mühsam wieder cingeburgen (Stembock). Ob das auch bei Rauhtien-n und Aasfressern gelingen kann. hangt davon ab. ob säe genügend Nahrung (Wildbere oder Fütterung rau Schlachiabtällcn) und Ruhe finden weiden. I Der Alpen-Steinbock hatte für den Menschen seit Urzeiten große magisch-symbolische Bedeutung (so als Sternbild oder im Horoskop). Wundertätige Heilwirkungen sollten von Hörnern und Huren, Knochen und Fett, sogar von Magensteinen und Kot ausgehen. Die große Nachfrage führte zur Ausrottung. Um 1820 waren nur im Jagdgebiet des «alienischen Königs wenige Tiere erhalten geblieben. Aus diesem Bestand gelang in der Schweiz seit 1911 mühevoll eine allmähliche Wiedereinbürgerung. Heute leben wieder über 20 000 Tiere in vielen Teilen der Alpen. Der Alpen-Steinbock hält sich als einzige Großticrait auch im Winter in den höchsten Regionen der Alpen auf. Nur im Mai (wie im Diorama) zieht es die Tiere in tiefere Lagen, -dem frischen Frühlingsgrün entgegen. Die langen Homer der Böcke (die Weibchen haben nur kleine) sind weithin sichtbare Signalträger, an denen gleichaltrige Rivalen Kraft und Rang einschätzen können. Steinbock (Bock) Bartgeier Jungvogel Braunbar Der Braunbär wurde gezielt ausgerottet aus Sorge um Vieh und Honig. Doch die letzten überlebenden Bären in Alpengebieten Italiens und Jugoslawiens zeigen, daß sie keine großen Schäden anrichten. Der Waldrapp war Brutvogel im Alpengebiet noch im 16. Jahrhundert: Brutkolonien befanden sich an Felswänden bei Passau, Salzburg, Graz u.a. Orten. Seither ist nie wieder ein Tier in Mitteleuropa bemerkt worden. Letzte Kolonien gibt es nur noch außerhalb Europas. Der Bartgeier war früher - zu Unrecht - als TJimrnergeier'' verrufen und Verfolgungen ausgesetzt. Der Rückgang des Bestandes begann um 1800. ausgelöscht war er in den Alpen um 1900. (In Europa kommt der Bartgeier nur noch in Spanien, Griechenland und auf einigen Inseln vor.) Bartgeier lebten in den Alpen überwiegend von gefundenen toten Tieren (Murmeltieren, Gemsen, Schafe), nur ausnahmsweise versuchten sie, kranke Tiere zum Absturz zu drängen. Auch große Knochen wurden verschlungen. So konnten sie die Beutereste von Wol£ Luchs und Steinadler nutzen. Ein Bartgeier-Paar benötigte als Revier mindestens 300 km . Die Fortplanzung zog sich über 1/2 Jahr hin: 2 Monate Brut (Jan. und Febr.), 4 Monate Jungenaufzucht (März-Juni/Juli). Das Jungtier im Diorama ist etwa 3 Mon. alt. Versuche zur Wiedereinbürgerung werden von vielen Schwierigkeiten begleitet: Nahrungsmangel (daher muß man den Vögeln ständig Futter - Schlachtabfalle - bringen) sowie Störungen durch den Tourismus. Tiere der Alpen Leben oberhalb der Waldgrenze Mar wenige Tier- und Pflanzcnanen können im Hochgebirge existieren. Mii zunehmender Höhe werden die Lebensbedingungen immer ungünstigen das Klima wird rauher, der Wind weht stärker, Fröste treten häufiger auf. die Schneedecke bleibt langer liegen. Wald kann nur bis 1700/1800 m Höhe ('Waldgrenze") gedeihen. Höher, in der "Krummholz-Stufe" bis 2200 m. kommen nur noch Einzelbaume (Zirbelkiefer, Lärche) oder Gebüsch aus Latschenkiefer oder Grünerle vor. Darüber, in der "afpinen Höhenstufe" bis 3000 m. existieren nur niedrige Pflanzen in Zweigsrrauchheiden und alpinen Manen. Die Vögel und Säugetiere in diesem alpinen Lebensraum müssen außerdem gegen Sauerstoffmangel (wegen des geringen Luftdrucks) angepaßt sein: sie haben ein größeres Herz, einen schnelleren Herzschlag und mehr rote Blutkörperchen als andere Tiere. Dem strengen Winter im Hochgebirge aber müssen diese Tiere ausweichen: entweder bergabwärts, wie Gemsen. Alpendohlen und viele andere Arten, oder in den Winterschlaf, wie die Murmeltiere. (Nur der Steinbock ist in der Lage, in rauber Höbe aktiv zu bleiben.) Das Alpen-Murmeltier gehört zu den Hörnchen (Nagetiere). Es lebt nur in der alpinen Region (selten tiefer an waldfreien Hängen), wo es genügend saftiges Grünfutter und grabfähigen Boden gibt. Jede Familiengruppe (Eltern mit unterschiedlich alten Nachkommen) bewohnt einen ausgedehnten Erdbau. Als Tagtiere haben die Murmeltiere vor allem den Steinadler zu furchten. Meist hält ein Familienmitglied Wache, als Warnsignal dient ein hoher Schrei (klingt wie ein "Pfiff"). Jetzt, Anfang Oktober, bereiten sich die Tiere auf den Winterschlaf vor. sie tragen frisches Heu ein, das nur zum Auspolstern der Schlafkammer dient. Ein Nahrungsvorrai wird nicht angelegt: wahrend des 6-7 Monate dauernden Winterschlafes zehren die Tiere allein von ihrem im Sommer gespeicherten Körperfett von etwa 1 kg. Dieser Energievorrai wird sehr sparsam genutzt (so sinkt die Körpertemperatur wahrend der Schlafzeiten auf 1 IS °C). Nach dem Erwachen im April/Mai haben die Tiere etwa 20 9e ihres Gewichtes verloren. Kitz (5 Monate alt) Der Tannenhäher kommt in den Alpen bis hinauf zur Waldgrenze vor. seine Hauptnahrung besteht dort aus den Samen der Zirbelkiefer oder Arve. Überschüssige Zirbelnüsse versteckt er am Boden. Nicht wiedergefundene Samen keimen und wachsen zu neuen Zirbelkiefern heran. Die Alpendohle lebt im Sommer oberhalb der Waldgrenze, kommt aber im Winter auch in Täler. Sie kann sich sehr vielseitig ernähren. Die Vögel sind geschickte Segelflieger: so können sie die an günstigen Stellen ständig vorhandenen Aufwinde nutzen, ohne viel eigene Kraft einsetzen zu müssen. Die Gemse kommt in fast allen Hochgebirgen Europas von den Alpen bis in die Karpaten und die Pyrenäen vor. Im Sommer hält sie sich oberhalb der Waldgrenze auf alpinen Matten auf. benötigt aber auch felsige Partien, in die sie bei Gefahr flöchten kann. Die Böcke leben einzeln oder in "JunggeseUenrüdeln" getrennt von den Mutterfamilien, den "Geißen -rodeln mit Kitzen und Jährlingen". Im Herbst erfolgt eine Umstellung: 1. Das gelbbraune Sommerfell wird gegen das langhaarige schwarzbraune Winterfell gewechselt. 2. Der Körper stellt sich auf rauhes Winterfutter ein (trockenes Gras, Triebe von Zwergsträuchern und Nadelbäumen). 3. Die starken Böcke nahem sich nun den Geißenrudeln und beziehen über ihnen auf einem Felsvorsprung Posten, um sich den Geißen zu zeigen und auf Rivalen zu achten, denn bald (im November) beginnt die Brunftzeit. Im Winter, nach der Brunft, kommen die Gemsen in tiefer gelegene.


